16. Jahrhundert – Reformation – Gemeindegesang

1528 wird in Braunschweig die Reformation eingeführt. Mit ihr beginnt auch die Geschichte der evangelischen Kirchenmusik der Stadt. Zwar gibt es zuvor schon Kurrenden, den Jungen vorbehaltene Chöre meist bedürftiger Schüler, die von Haus zu Haus zogen und bei Festen sangen. Aber im Gottesdienst singt, so Luther, bis zur Reformation „allein der Chor der Pfaffen und Schüler“, und dies meist auf Latein. Im lutherischen Gottesdienst wird dagegen der Gemeindegesang zentral, und dies auf Deutsch. Das Singen befeuert die Reformation. Es entstehen erste bürgerliche Stadtkantoreien, das erste evangelische Gesangbuch 1523 und immer mehr mehrstimmige Chorwerke. In Braunschweig gewinnen die beiden 1407 gegründeten städtischen Schulen größere Bedeutung als die Stiftsschulen.

Erst nach der Vertreibung des katholischen Heinrichs des Jüngeren durch die schmalkaldischen Bundesfürsten wird 1542 auch der Dom protestantisches Gotteshaus. Nun gibt es das Amt des evangelischen „Dompredigers“. Nach der Rückkehr des Herzogs wieder rückgängig gemacht, führt sein Sohn Julius die Reformation 1568 endgültig ein. Das Stift bleibt erhalten, nicht aber das Stiftskapitel, und die vielen zu singenden Seelenmessen und Stundengebete fallen weg.


Johannes Bugenhagen, Gemälde von Lukas Cranach d. Ä., Öl auf Holz, 1537
Bugenhagen ist der Reformator in Braunschweig, © Wikimedia gemeinfrei
 „Triumphtaler“ der Stadt Braunschweig, 1546, Gedenkmünze für den erfolgreichen Widerstand des Schmalkaldischen Bunds gegen den Herzog, Vorder- und Rückseite, © Wikimedia gemeinfrei